Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Zoo Duisburg

30. November 1999, mit Führung durch Wiss. Assistent Achim Winkler

Duisburg Robbenbecken

Umgebaute Robbenanlage

Duisburg alte Eisbärenanlage

Leerstehende Eisbärenanlage

Eine besondere Ehre wurde uns zuteil, als wir das Koalahaus auch hinter den Kulissen betreten durften. Wahrscheinlich sind wieder Tiere trächtig, doch noch sind keine Beuteljungen vorhanden. Anstelle der Koala-Außenanlage, die sich nicht bewährt hat, entsteht nun eine Baumkänguruh-Anlage. Trotz der EEP-Empfehlung, sich in Europa auf die Zucht von Goodfellows zu konzentrieren, werden Matschies aus den USA kommen – einfach eine Folge davon, daß Goodfellows nicht zu bekommen waren. Gleich daneben entstand eine neue Australienanlage für die Bennett-Känguruhs und Wombats, die nun endlich in natürlichem Boden graben können.

Duisburg Fossaanlagen in Bau

In Bau befindliche Fossa-Anlagen

Duisburg Äquatorium

Affenkäfige im Äquatorium

Im Walarium führte uns Herr Roland Edler gewohnt unterhaltsam den letzten Jacobita und den letzten Weißwal vor. Nein, kein Grund für Tierschutz-Proteste: Beide Tiere gehören zu den ältesten ihrer Art, ihre Kollegen sind in den letzten Jahren schlicht am Alter gestorben. Natürlich würde man heute einen solchen Pool nicht wieder bauen (es ist der Rest des allerersten Delphinariums aus den 60er Jahren), doch einen Umzug in einen anderen Zoo kann man den Tieren wohl nicht mehr zumuten. Sollte aber auch noch eines der beiden verbliebenen Tiere eingehen, wäre eine Einzelhaltung auch nicht zu verantworten. Eigentlich ist dies die letzte Chance, eine neue, gute Anlage zu bauen und dafür eventuell (Nachzucht-)Tiere aus den USA/Kanada zu bekommen. Wird die Haltung dieser Meeressäuger erst einmal aufgegeben, wird man damit später kaum wieder anfangen.

Duisburg Delphinarium

Delphinarium Vorführ-Hauptbecken

Das eklige, regnerische Novemberwetter lud zwar nicht gerade zu einem ausgedehnten Zoobummel ein, doch die vielen Neuheiten im Zoo, den die meisten von uns ganz gut kennen, und die Führungen waren letztlich so spannend, daß wir doch viel länger blieben als geplant.

Gleich am Eingang wurde der Teich geleert, hier entsteht das neue Giraffenhaus. Die bislang wenig einladene Gastonomie soll aufgewertet werden, und die unsäglichen Betonröhren-Affeninseln werden endgültig verschwinden.

Im hinteren Parkteil sind die Rothirsche zugunsten einer neuen Anlage für “P-Pferde” ausgezogen (Przewalskis), gegenüber ist das Vielfraßgehege geplant, in das u.a. der Nachwuchs aus dem Wisentgehege Springe einziehen wird.

Völlig neu wurden Seelöwen- und Pinguinbecken gestaltet. Nach den guten Erfahrungen im neuen Delphinarium und in anderen Zoos leben auch hier die Tiere nun in Salzwasser. In den Felskulissen sind einzeln kontrollierbare Nistboxen für die Pinguine eingelassen, deren “Flug” durch große Scheiben nun auch unter Wasser zu beobachten ist. Nebenan die alte, winzige Eisbär-Anlage mit den Stahldornen in der Betonwand nun endlich leer, die künftige Nutzung ist noch nicht beschlossen. Ganz klar: hier sollten die Riesenotter eine großzügige neue Anlage bekommen!

Einer der Schandflecken des Parks ist nach wie vor die lange Galerie maroder Käfige, in denen ausgerechnet Vorzeigetiere des Zoos leben, nämlich die seltenen madegassischen Fossas. Doch auch hier tut sich etwas: unterhalb des Raubtierhauses entstehen neue, großzügige Gehege; drei sehr natürlich gestaltete Anlagen, die für die Besucher einsehbar sind, fließend mit dem mittlerweile sehr beliebten Streckgitter überspannt, und dahinter vier weitere große Zuchtkäfige, alle miteinander zu verbinden.

Ebenfalls nicht mehr zeitgemäß: Die Käfigsammlung im Äquatorium, dem “größten und modernsten Affenhaus Europas”, wie noch vor wenigen Jahren im Zooführer zu lesen stand. Die langen Reihen von Außenkäfigen hinter dem Haus kann man als normaler Zoobesucher schon gar nicht mehr erreichen, im Haus wurde zumindest mit Rindenmulch, natürlichen Einrichtungsgegenständen und Zusammenlegung von Käfigen versucht, das bisher Mögliche auch zu tun.

Anders sieht es im Delphinarium aus: In der mittlerweile durch Zugänge stark angewachsenen Gruppe sind bereits wieder mehrere Tiere trächtig. Wir durften uns auch die geräumigen (für die Tiere zugänglichen) Nebenbecken im alten Delphinariumsgebäude ansehen und wurden durch die Technik geführt. Für das Salzwasser, das aufwendig gereinigt wird, verwendet man als Grundlage Salzsole aus der Eifel. Die Pumpen sind nicht nur räumlich von den Delphinbecken getrennt, sondern auch über Gummiblöcke und Ausgleichstücke vibrationsarm damit verbunden.

Im alten Delphinarium war auch eine Amazonienanlage geplant für die noch sehr beengt im Aquarium untergebrachten Tonina-Flußdephine. Zwar ist die Halle soweit vorbereitet, das Projekt mußte aber vorerst gestoppt werden; nun trennt eine Folienwand das Delphin-Nebenbecken von der Rohbaustelle.

Sehr positiv fiel uns der offene und offensive Umgang der Delphinariums-Crew mit Kritik auf. Jedermann ist eingeladen, das Delphinarium auch hinter den Kulissen zu besuchen, es gäbe nichts zu verheimlichen. Reine Diskussionen brächten nichts, Kritiker müßten sich selbst ein Bild machen und die Haltung der Delphine in Duisburg mit eigenen Augen sehen. Zum Beispiel vom “schönsten Pausenraum Deutschlands” aus, mit Panoramafenstern ins Delphinbecken: gleichermaßen beste, ständige Kontrolle der Delphine und Enrichment für die Tiere – sie beobachten die Tierpfleger ebenso! Unser Besuch im Zoo Duisburg klang dort mit einer ausführlichen Diskussion aus, während es draußen längst dunkel geworden war.

www.zoo-duisburg.de

Vielen Dank der Delphinariums-Crew für die Zeit und Mühe,
und an Achim Winkler für die ausgiebige Führung durch den Zoo!

© 1999 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 13.2.2000 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule