Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Vogelpark Plantaria, Kevelaer

17. April 1999, zur BNA-Jahresversammlung

Kevelaer Restaurant

Das Restaurant-Glashaus voller BNA-Mitglieder

Schon am Eingang war uns aufgefallen, daß hier allergrößter Wert auf exakte Gartengestaltung, geometrische Formen und akkurate Pflanzungen gelegt wird. Alle Wege sind ordentlich in Stein gefaßt, selbst die Bänke ganz gerade aufgestellt, der Rasen sauber kurz gemäht. Das entspricht zwar kaum noch heutiger Gartengestaltung, ist aber angesichts des Haupt-Publikums - Kevelaers konservativer Pilgermassen - noch verständlich. Im Besucherbereich finde ich es zwar schade, aber nicht weiter tragisch. Leider setzt sich diese Gestaltungsweise in die Tieranlagen fort.

Die BNA-Jahrestagung war für uns ein willkommener Anlaß, nun endlich ein Jahr nach der Eröffnung eine der größten Zoo-Neugründungen der letzten Jahre zu sehen. Die ersten Stunden verbrachten wir bei interessanten Vorträgen unter der weiten Glaskuppel des sehr nett gestalteten Restaurants. Dann machten wir uns, teils geführt durch Vogelpark-Verantwortliche, teils auf eigene Faust, an die Erkundung des Tierbereichs.

Seit 1988 gab es erste Ideen für diesen Park, später kamen auch die Pflanzenleute dazu und es wurde beschlossen, gemeinsam ein großes Projekt zu starten. Zur Zeit umfaßt der Park 13 ha und wurde für Gesamtkosten von 14 Millionen DM erbaut.

Der Tierbestand konzentriert sich überwiegend auf Papageien und Fasane, den Hauptinteressen der beiden Privatpersonen entsprechend, deren ”Sammlung” den Grundstock für den Park bildete. Andere Vogelfamilien kommen, wenn überhaupt, nur ganz am Rande vor. So gibt es neben unzähligen Volieren nur ein einziges Freigehege, für Kraniche. Es gibt auch kaum freilebende Tiere, nicht einmal auf den Teichen, wahrscheinlich zum Schutz der Zierpflanzungen.

Betretbare Australien-Voliere

Der Vogelpark ist streng geografisch aufgeteilt; für Asien, Amerika, Australien und Afrika wurden jeweils ein Gebäude- und Volierenkomplex errichtet. Nur, leider, orientierte sich die ebenfalls thematische Bepflanzung nicht an dieser Einteilung: Durch einen Rhododendronhain betritt man z. B. Australien. Die betretbare Großvoliere, sehr kahl und technisch wirkend, vermittelt in keinster Weise einen Eindruck von Australien. Der Parkteil Afrika besteht überwiegend aus einer ebensolchen Voliere voller kleiner und mittelgroßer Papageien.

Kevelaer Australienvoliere

Leider wirken die Anlagen für den Betrachter sehr unnatürlich. Beispiel Fasanen-Großvolieren: Im Hintergrund eine viele Meter hohe graue Betonsteinmauer, darüber rote Dachziegel, Rollrasen von Rindenmulch peinlich streng durch Baumstamm-Barrieren getrennt. Hell verzinktes, in der Sonne funkelndes Wellgitter an vielen Volieren wirkt abweisend und macht Beobachtungen wie Fotografieren beinahe unmöglich. Aber, wie uns gesagt wurde, es soll noch dunkel gestrichen werden. In den großen Volieren sind hier eher die gewöhnlichen Arten zu finden, Silber- und Diamantfasan. In den hinteren, versteckten und dunkleren Volieren finden sich hingegen viele sehr seltene Fasanenarten, darunter allein vier Formen des Pfaufasans.

Fast alle Volieren sind recht geräumig, und die dürftige Bepflanzung kann man auf die kurze Zeit zurückführen, die den Pflanzen bisher zur Verfügung stand. Trotz guter Gestaltung gibt es so noch wenig Versteckmöglichkeiten für die Tiere. Der Vogelpark ist dennoch ganz eindeutig sehr um artgerechte Haltung der Vögel bemüht, alle Tiere können sich jederzeit in die Innenvolieren oder Nistkästen zurückziehen, selbstverständlich herrscht Fütterverbot.

Kevelaer Fasanengehege

Das sehr massiv gebaute, mit schweren Stahlträgern überdachte Tropenhaus enttäuscht ebenfalls, denn neben der zentralen Pflanzung rund um einen Koi-Teich finden sich hier lange Reihen uniformer, wenig naturnah gestalteter Papageienkäfige - ebenso wie außen. Wer sich aber zwingt, wirklich in die Käfige zu sehen, findet hier eine schier unglaubliche Sammlung verschiedenster Papageien aus Südamerika. Auch hier gilt wieder: Die seltensten Arten leben versteckt in nach Norden ausgerichteten Volieren hinter dem Haus.

Große Fasanen-Volieren

Kevelaer Gelbschwanzfasan

Malay. Gelbschwanzfasan (Hopifer erythrophthalmus e.)

Kevelaer Tropenhaus

Amerika-Tropenhaus außen und innen

Sehr unbefriedigend ist dabei die nur basale Beschilderung: Über die (auch Fachleuten kaum geläufigen) Tiere erfährt der Wissensdurstige außer Namen und einer einfachen Verbreitungskarte nichts - hingegen wimmelt es von Schreibfehlern (“Papagai” - die nahen Niederlande lassen grüßen!). Da wäre es besser und billiger gewesen, einfachste Standard-Schilder zu kaufen, statt sie selbst erstellen und drucken zu lassen.

Kevelaer Tropenhaus außen

Schade, daß das größte Gewächshaus nur als Restaurant genutzt wird und nichts zur Tierhaltung beiträgt. Auch die zwei Nebenhäuser dienen nur für Ausstellungen (zur Zeit Bilder und Buchsbaum-Skulpturen). Auf dem großen Kinderspielplatz stehen aus Weidenzweigen geflochtene Tunnels und Iglus, davor beginnt eine kleine Hahn-Skulptur über Infrarot gesteuert zu krähen, wenn sich ein Besucher nähert.

Kevelaer Schild
Kevelaer Schwarzohrpapagei

Technisch und tierhalterisch ist der Park auf neuestem Stand, und auch der Naturschutz kommt nicht zu kurz. So engagiert man sich durch die Unterstützung einer Wiederauswilderungsstation für Wildvögel in Costa Rica - solche Bemühungen sucht man leider auch bei einigen großen Zoos noch vergebens. Hingegen fehlen jegliche Angaben zur Beteiligung an Zuchtprojekten, EEPs oder anderen überregionalen Programmen - fast könnte man auch aufgrund der Tierbestandsauswahl den Eindruck haben, es handele sich um eine althergebrachte Sammlung rein wegen der Vielfalt der Arten. Geben wir dem Park ein paar Jahre Zeit. Kletterpflanzen werden Sichtbeton verdecken, Bäume die rotgedeckten Ziegelhäuschen. Selbst der See mit seinen Beton- und Kiesufern, auf denen die wenigen Enten und Schwäne herumstolpern, wird langsam zuwachsen, wenn man ihn denn läßt. Fragt sich nur, warum man Ende der 1990er Jahre ohne Not einen nagelneuen Vogelpark im Stil der 1970er-Bundesgartenschauen bauen mußte, ohne die Entwicklung der Zoo- und Gartengestaltung hin zu naturnaher Gestaltung und der Präsentation von Tieren in ”Biotop”-Anlagen zu berücksichtigen.

Schwarzohr-Papagei (Pionus menstruus m.)

Wie unschwer zu erkennen, haben mir Tierhaltung und Tierbestand sehr gut gefallen, Parkgestaltung und Tier-”Zurschaustellungs”-Konzept hingegen gar nicht. Selten, daß ein Park so unterschiedliche Eindrücke vereint. Das mag meine persönliche Meinung sein, obwohl ich viele ähnliche Ansichten gehört habe. Mögen sich unsere Leser anhand der Bilder selbst eine Meinung bilden. Ich wäre daran sehr interessiert!

Kevelaer Teichufer

Teich am Eingang mit zwei Entenhäuschen


Auf der Rückfahrt fanden wir ganz in der Nähe den kleinen Tierpark “Zum Waldschlößchen” in Wetten. Eine Sammlung einfacher Volieren für Geflügel und etwa 15 Gehege mit Damhirschen und verschiedensten Haustierrassen. Eintritt frei.

© 2000 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 13.2.2000 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule