Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Zoo Krefeld

3. Juli 1999, mit Führung durch Zooinspektor Andreas Pricken

Ziel war das Gehlenhaus, das wir bereits früher im Rohbau besichtigt hatten. Nun, einige Monate nach Eröffnung und schon dicht zugewachsen, hat das Haus seine Bewährungsprobe bestanden.

Krefeld Gehlenhaus

Blick über die Innenanlagen

Lediglich die Tiere hielten sich ungern an die ihnen zugedachten Bereiche und verteilten sich im Haus, wie die Sendung “Abenteuer Zoo” eindrücklich dokumentierte. Die Grünen Leguane waren schnell von ihrer Insel verschwunden, ebenso die Gelben Woll-Opossums. Das männliche Faultier besucht die Weibchen nur noch regelmäßig auf der Faultieranlage, und auch die Tamanduas haben unerwartete Kletter-Talente entwicktelt, so daß die Plexiglas-Umzäunung mehrfach um jetzt mehr als 70 cm aufgestockt werden mußte. Weniger amüsant sind “freilaufende” Kaimane und Anakondas, die schnellstens wieder eingefangen wurden; letztere wird nun erst einmal groß genug gefüttert, bis sie nicht mehr durch die Maschen des Abdeck-Netzes paßt. Auch die Blattschneiderameisen verlassen ihre Insel, entweder sie laufen einfach über das Wasser oder Besucher legen Stöckchen über den Graben. Mittlerweile ziehen lange Kolonnen durchs Haus, bepackt mit Blatt-Stücken geplünderter Bäume, doch die Vegetation scheint schneller zu wachsen als die Ameisen schnipseln. Nur die Sakis bleiben freiwillig auf ihrer Insel. Beeindruckend auch die 1-m-Arrauschildkröte aus Wien.

Krefeld Gehlenhauskuppel

Kuppel des Gehlenhauses

Krefeld Gehlenhaus Tamanduagehege

Gehege für Tamanduas

Krefeld Gehlenhaus Blattschneiderinsel

Blattschneiderameisen-Anlage

Nicht zu sehen bekamen wir die beiden Fledertierarten: Die Vampir-Fledermäuse waren leider bereits tot, die Blumenfledermäuse werden erst nachts aktiv und sind durch die Sehschlitze in ihrer Höhle nicht zu erkennen. Im Tierpflegebereich befindet sich ein eigener Schmetterlingsraum, in dem Flugkäfige mit Futterpflanzen für ständige Nachzucht sorgen. Auch im Haus, in dem mehrere Arten frei fliegen, werden Nektar und Pollen für die langlebigen Falter (Morpho) angeboten.

Krefeld Schimpansenanlage

Schimpansenanlage im Affenhaus

Im Menschenaffenhaus durften wir ebenfalls hinter die Kulissen blicken. Die zahlreichen Innenboxen sind meist als Rundlauf zusammengelegt und zusätzlich mit Holzwänden unterteilt, um einzelnen Tieren oder Gruppen Rückzugsmöglichkeiten in eigene “Zimmer” zu bieten. Die Boxen sind oben übergittert, um Licht und Regen (bei geöffnetem Dach) hineinzulassen. Trotz des Alters des Hauses, fehlender Außenanlagen und manch altersschwacher Technik hat sich das Haus alles in allem gut bewährt – besser als manche Plagiate.

Neuartige Architektur sorgt immer für unvorhergesehene Überraschungen, oft hilft nur Ausprobieren und nachträgliche Fehlerbeseitigung. Durch selbst verlegte Stegplatten des Dachs wurden 500.000 DM gespart, aber nun läuft Kondenswasser  in Rinnsalen bis in die Futterküche. Alle Wasserbereiche sind verbunden, das erschwert gezielte Behandlungen, die Zisterne ist bereits voller Jungfische, und die zwei Druck-Sandfilter sind durch Algenschleim völlig verklebt. An heißen Tagen reichen die Entkalker, die ohne Reserve arbeiten, nicht aus, und die aufwendige Hochdruck-Zerstäuber an der Mitttelsäule ist wenig effektiv, denn die Luftströmung zieht die Luftfeuchtigkeit direkt darüber aus den Dachklappen sofort hinaus. Daß uns auch solche Details freimütig erzählt wurden, ist nicht in allen Zoos selbstverständlich. Dabei zeigt es doch nur, wie man aus den unvermeidlichen Fehlern lernen kann. Ein solch offener Umgang auch mit Problemen vermindert keineswegs die Leistung eines Zoos, sondern macht ihn glaubwürdig.

Und was gibt’s draußen Neues? Präriehund “Schröder” (aus Privathaltung) beißt alle – egal ob Hunde, Pfleger oder Besucher, die in sein Gehege gelangen. Im Vogelhaus läuft ein erneuter Brutversuch der Krokodilwächter (Nachtrag: daraus wurde die erste erfolgreiche Krokodilwächter-Aufzucht), und als nächstes Projekt werden neue Raubtiergehege an der Stelle der früheren Bärenanlage entstehen.

 Vielen Dank an Andreas Pricken, Zooinspektor und Vorstandsmitglied des Berufsverband der Zootierpfleger, für seine ausgiebige Führung!

Krefeld Führung Zoo-AG

Andreas Pricken erklärt uns die Technik im Affenhaus

© 2000 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 18.2.2000 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule