Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Vogelpark Walsrode

19. Juni 1999, Zweitagesexkursion

Nach drei Jahren war es dringend wieder Zeit für eine neue Exkursion nach Walsrode, vor allem um die neue Indonesienhalle zu besichtigen. Leider konnte uns diesmal Dr. Dieter Rinke, der wissenschaftliche Leiter, nicht führen. So machten wir uns selbst auf die schon traditionelle Runde durch die Parkanlagen, Flughallen und Tropenhäuser, bis wir ganz am anderen Ende des Parks vor dem EXPO-2000-Projekt standen, der neuen

Nusantara Tropenwaldhalle

Unter 2700 qm Stegplatten-Dach wurde eine balinesische Landschaft nachgebildet, in der rund 40 Arten Vögel frei fliegen. Gute Kontakte zum Bali Bird Park und das Engagement im Artenschutz ermöglichten zahlreiche Importe, vor allem von Paradiesvögeln, so daß Walsrode nun eine der umfangreichsten Sammlungen indonesischer Arten zeigt. Gleich nebenan entsteht die lang vermißte Ausstellung zu den Artenschutzprojekten

Eingang Indonesienhalle

Ein kleiner Schwarm des Roten Paradiesvogels,  eine der zahlreichen hier gezeigten Paradiesvogelarten, fliegt frei zwischen den Besuchern.

Teich Indonesienhalle
Roter Paradiesvogel

Im langsam dichtwach- senden Regenwald finden sich zahlreiche echte Kunstgegen- stände und traditionelle Gebäude von Bali

Indonesienhalle

In die Halle eingefügt wurden zahlreiche große, natürlich gestaltete Volieren u.a. für Hornvögel und Spechte.

In der authentischen Kulisse eines Tempels findet sich eine Ausstellung über Natur und Kultur in Bali

Kuppel Indonesienhalle
Tempel Indonesienhalle

Unter der zentralen Kuppel, die von als Baumriesen gestalteten Säulen getragen wird, ersteckt sich eine Lagunenlandschaft. Auch die Pflanzen entsprechen möglichst genau der Vegetation Indonesiens.

Die Tropenwaldhalle ist nicht nur eine beeindruckende neue Attraktion, sowohl vom Tierbestand wie von der Gestaltung her, sie zeigt auch deutlich den Wandel in der Ausstellungsphilosophie: Sind die in den 70er Jahren entstandenen Sittich- und Papageienvolieren noch immer weitgehend uniform, eher karg eingerichtet und nicht nur für den Normalbesucher nach kurzer Zeit langweilig-monoton, so werden nun mehr und mehr naturnah gestaltete Gehege errichtet. Während - auch wegen des Publikumgeschmacks - in den Parkanlagen strenge Beete, sauber geschnittener Rasen und Ziergehölze vorherrschen,  war bereits in den Kranichanlagen der Versuch gemacht worden, eine natürlicher wirkende, “wilde” Landschaft zu gestalten. Besonders augenfällig ist der Kontrast nun zwischen der Regenwaldhalle und dem gleich als nächstes zu besichtigenden Lori-Attriums.

In Walsrode liebte man noch nie die großen Spektakel. Rosenblüte statt Papageienshow, historische Fachwerkhäuser statt Einschienenbahnen. Ein Klimahaus für arktische Pinguine wird es hier wohl nie geben.

Tafeln

Leider wurde aber auch lange die Information der Besucher vernachlässigt. Es gibt keine Zooschule, keinen Schaubrüter, und erst in den letzten Jahren tauchen zögernd Informationstafeln auf, die auch über die beachtenswerten Zucht- und Artenschutzbemühungen des Vogelparks berichten. Die Besonderheit vieler Vogelarten bleibt den Besuchern verborgen; ohne Vorwissen bleiben Kagus, Mähnenibisse und Hornguans nur Vögel unter vielen. Erfreulicherweise wird dieses Defizit zunehmend abgebaut; ein wichtiger Schritt dazu wird die Ausstellung über den Brehm-Artenschutzfond werden.

Kagu

Kagus aus Neukaledonien sind selten in Zoos zu sehen: Walsrode nimmt an einem Zuchtprogramm teil.

Der Hornguan mit seinem bizarren Hornzapfen lebt außerhalb Mexikos nur hier in Walsrode

Hornguan

Obwohl die Artenzahl in den letzten Jahren deutlich reduziert wurde, ist der Vogelpark Walsrode einer der wenigen Zoos, die noch einen breiten Überblick über die Vogelwelt bieten, statt sich auf wenige Arten zu beschränken. Manch überforderter Besucher nimmt  statt weniger intensiver Tier- Erlebnisse einen verwirrenden Eindruck von Tiervielfalt mit nach Hause. Den Ornithologen - und den Zoobegeisterten - hingegen freut es, immer wieder nie gesehene, befiederte Kostbarkeiten präsentiert zu bekommen.  Auch das ungute Gefühl früherer Zeiten, es handele sich nur um Sammelleidenschaft auf Kosten der Tiere, kommt nicht auf, solange es gezielte Anschaffungen zum Aufbau von Zuchtgruppen, zur Forschung und im Dienste des Artenschutzes sind. Zum Abschluß hier noch ein Paar Bilder besonders selten gezeigter Arten.

Walsrode-Logo

Mehr Infos auf der Homepage des Vogelparks

Mähnenibis

Erstmals außerhalb Madagaskars als Teil eines Zuchtprogramms: Mähnenibise

Glatzenkopfibis

Der Glatzenkopfibis, ein Verwandter des früher auch in den Alpen heimischen Waldrapps, lebt in Südafrika

Am zweiten Exkursionstag fuhren wir - wie schon 1996 - weiter in den Serengetipark Hodenhagen

Nachtrag: unsere nächste offizielle Exkursion nach Walsrode fand 2004 statt - zum Exkursionsbericht

© 1999 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 8.12.1999 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule