Zoo-AG

Dies ist eine Archivseite mit dem inhaltlichen Stand von 2004 und wird nicht aktualisiert. Sie zeigt den damaligen Stand der Zoos und bleibt als historisches Dokument online.

Dieser Bericht stammt von Marco Smeets, der ihn uns freundlicherweise zur Verfügung stellte.


Zoo-Bericht


 Vogelpark Marlow


Der privat geführte Park ist zwischen Rostock und Stralsund unübersehbar oft angekündigt, sodass sich ein Besuch gewissermaßen aufdrängt.



Störche

Gleich zu Anfang des Besuches am Sonntag, 23. März 2003 standen wir um etwa 9.40 Uhr zunächst vor verschlossenen Toren. An sich nichts besonderes, es gab jedoch weit und breit kein Schild mit Besucherinfos wie z.B. den Öffnungszeiten. Doch um 10 Uhr erhielten wir und die 6 anderen Wartenden dann doch Einlass. Leider gab es auch keinerlei Infoblättchen mit Zooplan etc., obwohl wir so etwas anderswo (z. B. im Meeresmuseum Stralsund) sehrwohl fanden. Aber egal.

Der Park (gegründet 1994) wirkt weitgehend neu und aufgeräumt, an einigen Ecken wurde gebaut. Der matschige Besucherweg (der Bodenfrost taute) führte zunächst vorbei am riesigen Straußengehege und dann zur noch riesigeren Storchenanlage mit grob gezählten 20, z. T. nestbauenden Weißstörchen und einigen Enten. Es müssen auch frei lebende Störche in den Vogelpark kommen, zumindest lassen Nisthilfen auf höheren Säulen darauf schließen.


Ein wenig erschreckend war die hier zum ersten mal gesehene Gestaltung der Teiche im gesamten Park: Sterile Plastikbecken, teilweise mit Maschendrahtzaun ausgelegt, um den ebenfalls im Gehege lebenden Enten den "Ausstieg" zu erleichtern. Zweckmäßig, aber hässlich. Eine Info-Hütte und ein Spielgerät (Stromleitungsnachbildung) informiert anschaulich über den Storchenzug und seine Gefahren.


Vorbei an einigen geräumigen Papageienvolieren, erreicht man bald das ebenfalls riesige Streichelgehege mit Ziegen, Schafen, Hängebauchschweinen und Hühnern (Futterautomat lädt zum Füttern ein). Angrenzend liegt das wohl größte (ebenfalls begehbare) Kaninchengehege, dass ich je gesehen habe.

Diverses Wassergeflügel (verschiedene Enten, Gänse, Schwäne, Pelikane u.a.) wird etwas einfallslos auf kleinen Plastikteichen gezeigt. Hier wäre eine geringere Anzahl größerer und naturnäherer Teiche, welche mit mehreren Arten besetzt werden könnten, interessanter (aber sicherlich bedeutend aufwendiger im Unterhalt).




Kormorane
Störche


Mehrere Großvolieren sind begehbar, so z.B. die Meeresvogelanlage mit sehr realistisch nachgebildeten Dünen und mehreren Teichen. Neben verschiedenen Möwen leben hier Eiderenten und eine größere Gruppe Kormorane. Die schön gestaltete Flamingovoliere stach an diesem Tag leider durch ihre Schmutzigkeit hervor: der Boden kotverkrustet, das Wasser trüb und leicht muffig.



Die weiträumige, schön gestaltete und gepflegte Anlage für afrikanische Vögel war zur Zeit unseres Besuches lediglich mit einer Gruppe von Waldrappen besetzt. Die anderen Vögel (Kuhreiher, Löffler, Hammerkopf) befanden sich in einem kleinen, vorgelagerten Stall, gehörten ansonsten jedoch glücklicherweise in die große Voliere.



Die größte und neueste begehbare Anlage stellt die Landschaft des Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft nach. Ausgestattet mit Original-Wegweisern, Schildern und Aussichtshütten, fühlt man sich tatsächlich, auch aufgrund der gewaltigen Ausmaße, in den Nationalpark versetzt. Jedoch nur so lange, bis man sich die (ebenfalls riesigen, aber sehr flachen) Teiche näher anschaut: erneut die billig wirkende Plastik-Auskleidung, kaum Bepflanzung und tote Rotfedern überall. Diese werden wohl kaum Futtertiere sein, da Fisch und anderes Futter auf Tellern bereit lag. Kraniche waren in einem abgetrennten Bereich der Anlage untergebracht (Eingewöhnung?), geschätzte 10 Enten und Säger bildeten den restlichen Besatz. Allgemein wirkte die Anlage (wohl aufgrund ihres geringen Alters) sehr spärlich besetzt, doch das unglaubliche Potential des gesamten Parks wurde auch hier wieder deutlich.






Nationalpark-Voliere

Bemerkenswert ist auch die betretbare Lorivoliere. Den geschätzten 30 - 40 lebhaften und neugierigen Vögeln steht ein dichter Bewuchs aus jungen Fichten und Laubgehölzen als Turngerät zur Verfügung. Und das Füttern aus Nektartöpfchen ist erlaubt!




Lori




Eine recht große Sammlung an Kranichen (auf großen, naturnahen Wiesen mit natürlichem Bachlauf), Eulen und Greifvögeln wird im hinteren Parkbereich präsentiert (u.a. ein Kondor, Schmutzgeier, Seeadler).




Dieser Teil des Parks wirkt bedeutend älter, als er de facto ist. Es wurde anscheinend an der Bausubstanz gespart, imprägniertes Holz hat man jedenfalls nicht benutzt. Die teilweise sehr kleinen Volieren sind auch eher funktional als tiergerecht eingerichtet (zwei Baumstümpfe pro Voliere, keinerlei Rückzugsmöglichkeiten).




Uhu-Voliere

In der Nähe sind mindestens drei größere Volieren im Bau, und auf einem Spendenkasten wird auf die nicht zufriedenstellende Situation hingewiesen. An der einzigen eher unschönen Ecke des Parks tut sich also etwas!

Die neue Pinguinanlage ist sehr großzügig dimensioniert und ausgestattet. Der Boden des 12m langen und etwa 2,5m tiefen Beckens (mit Glasfront) ist mit Geröllen ausgelegt, was vor allem die Gruppe von Schwarzkopf-Ruderenten freut, die dort lebhaft herumstöbern.









Das leicht modellierte Gelände um das Becken herum ist z.T. mit Gras und Sträuchern bepflanzt und bietet den Humboldtpinguinen ein abwechslungsreiches zu Hause.

Das sog. Schmetterlingshaus wird unter anderem von einer Gruppe von Zwergottern bewohnt. Ihr Gehege schien jedoch wenig einfallsreich eingerichtet, und es war keinerlei Rückzugsmöglichkeit (Schlafbox o.ä.) sichtbar! Dennoch scheint es den Tieren hier gut zu gehen, denn im Herbst 2002 gab es Nachwuchs. Ansonsten leben verschiedene Vögel und Schmetterlinge im reich bepflanzten Haus, die Teiche sind mit zahlreichen Fischen besetzt und in Terrarien werden weitere Insekten gezeigt




Fazit: Wenn dieser Park eines nicht hat, dann ist es Platzmangel (20 ha, 150 Tierarten). Große Pflanzungen, Blumenbeete, Baumgruppen und Freiflächen finden sich überall, die Anlagen sind (meist) großzügig bis nahezu überdimensioniert, wie etwa die Streichelgehege, auf dessen Fläche anderswo eine Zebraherde gehalten würde... 

Nicht nur deshalb hat der Vogelpark Marlow ein enormes Entwicklungspotential. Auch die bereits vorhandenen Anlagen lassen z.T. noch Weiterentwicklungen zu (Nationalparksvoliere!).

Auch aufgrund der gesehenen Baumaßnahmen empfehlen sich daher weitere Besuche in Zukunft.



Kormoran


Stiftungstafel


Der Vogelpark ist Mitgliedszoo der Stiftung Artenschutz


Erstellt am 7.4.2003



Anmerkung: Einige Mitglieder der Zoo-AG besuchten den Vogelpark Marlow 2001 privat, da vorherige Anfragen nach einer Exkursion / einem Treffen mit einem Mitarbeiter nicht beantwortet wurden. Unsere Eindrücke deckten sich Großteils mit diesem Bericht.




© 2003 Fotos & Text: Marco Smeets - zur  Zoo-AG Homepage logoeule