Zoo-AG

Dieser Bericht stammt von Marco Smeets, der ihn uns freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Zoo-Bericht

 Tierpark Stralsund

Greifvögel

Das Fazit vorweg: Dem Tierpark Stralsund sieht man an allen Ecken die Bemühungen an, aus einer veralteten, nicht mehr zeitgemäßen Tierhaltung einen modernen Zoo zu machen. Dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann, versteht sich von selbst, weshalb man über einige "Relikt-Gehege" hinweg sehen, und ein weitgehend positives Fazit ziehen kann (natürlich in freudiger Erwartung der weiteren Projekte, die z.T. bereits in Bau oder Planung sind).

Man betritt den Tierpark durch einen neuen Eingang an der (ehemaligen) Rückseite des 16ha großen Geländes (etwa 200 Arten, darunter 80 Haustierarten). In den ersten Gehegen leben Haustiere, u.a. Schafe (Mitte März im hohen Nord-Osten schon geschoren! Nachts hat es noch kräftig gefroren, tags etwa 4°C!) und eine Gruppe Albinoesel, auf die man sehr stolz zu sein scheint.

Weiter geht es vorbei an der neuen Anlage für Bisons mit Indianerzelt für die (Menschen-)Kinder und dem Dingo-Gehege, welches aussieht, als bestünde es aus den Grundmauern eines verfallenen Hauses, über die man ein Gitter gezogen hat. Sieht nicht so schön aus, was aber die Tierhaltung angeht, kann man nicht meckern: Sowohl flächenmäßig, als auch bezüglich der Gehegegestaltung (Bäume, Sträucher, Naturboden, Stämme als Raumteiler etc) erscheint die Anlage völlig in Ordnung. Dahinter erstreckt sich eine riesige Wiese, welche als Trampeltieranlage genutzt wird (nur 1 Tier gesehen).

Schimpansentafel

Über matschige Wege vorbei an verschiedenen Ziegen, Schafen und den Pelikanen (neues Warmhaus, aber nicht einsehbar) erreicht man einen der verbliebenen "0ldtimer" des Stralsunder Zoos: die Schimpansen-Anlage aus den frühen 70ern.

Schimpansen

Sie besteht (heute) aus je zwei Außen- und Innenkäfigen. Bis 2001 war das noch anders, da die halbe Anlage ursprünglich als Löwen"gehege" genutzt wurde. (Die Löwen bewohnen heute eine schöne, neue Anlage gegenüber, den "Löwenberg"). Zum Zeitpunkt des Besuches stand den vier Affen auch nur der "ursprüngliche" Affenbereich zur Verfügung, die zweite Gehegehälfte sah aus, als wäre sie längere Zeit ungenutzt gewesen (v.a. der Warmbereich).

 

Es stehen einige Spielgeräte zur Verfügung (Tonne, Jutesäcke), gefüttert wurden jedoch geschälte Bananen und geschnittenes Obst in einer Schüssel (Enrichment Fehlanzeige...). Das etwa 30 jährige Männchen ("Bimbo") fällt durch seine gedrungene Statur und geduckte Haltung auf.  Dies ist jedoch ein Resultat von schlechter Haltung und Bewegungsmangel in jungen Jahren. Nach Stralsund kam er 1986, übrigens deutlich mehr übergewichtig als er heute ist. Nachwuchs gab es hier mehrfach (von anderen Männchen), zuletzt 1999. Im Jahr 2000 wurde der Neubau eines Schimpansenhauses beschlossen, ein Modell mit Spendenbox und eine Spendertafel informieren über die Pläne und Fortschritte.

   Schimpansen   Schimpansen

Auch für die Bären ist eine neue Anlage in Planung ("Bärenwald"). Laut eigener Internetseite sollen es die Schwarzbären sein, die dort leben werden. In ihrem alten Käfig wurde eifrig gebaut (da er in die neue Anlage einbezogen werden soll; siehe www.stralsund.de/freizeit/tierpark).

Die Schwarzbären selbst konnten wir nirgendwo entdecken, sie sind wohl in einer Übergangsunterkunft untergebracht. Zu sehen war stattdessen ein gelangweilter Braunbär im angrenzenden Käfig. Über seine Zukunft wird nicht informiert.

PlanungenBärenzwinger

Leoparden

Auch die Leoparden leben in einem der ungeliebten Gitterkäfige. Er ist zwar nicht allzu klein, dennoch sollte so etwas längst aus wissenschaftlich geleiteten Zoos verschwunden sein. Und auch was die Einrichtung angeht war man leider wenig einfallsreich. Für diese Anlage scheint es (leider) auch keine Neubaupläne zu geben.

Als Relikt der sozialistischen Vergangenheit ist wohl die "Festwiese" zu werten, welche eher einem Sportstadion gleicht und, abgesehen von wenigen Spielgeräten, vor allem von den zahlreichen freilaufenden Pfauen, Puten und Hühnern genutzt zu werden scheint. Hinter dem Schaubauernhof mit original-verpflanztem-Bauernhaus (also am ursprünglichen Standort ab-, und im Zoo wieder aufgebaut) und diversen älteren landwirtschaftlichen Gerätschaften erreicht man den alten Eingang mit Informationsschild über die Historie des Tierparks von der Gründung 1959 bis heute. Der gesamte hintere Parkteil wirkt insgesamt etwas verlassen, hier ist also Platz für etwaige Projekte in Zukunft.

Nasenbären

Weiter geht es bei den Polarwölfen, der größten Unterart von Canis lupus. Sie leben in einem natülichen Waldstück, welches durch künstliche Höhlen und Aussichtsplattformen (für die Tiere) ergänzt wurde.

Steppenrinder

Im östlichen Teil des Tierparks erreicht man, hinter der etwas kahlen, aber kürzlich deutlich erweiterten Anlage für Bennettkänguruhs, bald das neu gestaltete Südamerikahaus. Es wird von zwei älteren Tieranlagen gesäumt, rechts leben die Nasen-, links die Waschbären. Zumindest die Nasenbären-Anlage ist durch abwechslungsreiche Einrichtung schön gestaltet, dennoch stereotypierte eines der Tiere ausdauernd (möglicherweise ein Hinweis auf vorhergehende schlechte Haltung?). Im Südamerikahaus werden Weißbüscheläffchen frei gehalten. Ihnen wird vor der fast raumfüllenden Kulisse eines indianischen Tempels ein abwechslungsreicher und reichlich bepflanzter Lebensraum incl. künstlichem Bachlauf geboten. Weiterhin werden im Haus einige wenige Reptilien (Basilisken), Amphibien (Dendrobaten), Fische (Piranhas in veralgtem Becken) und Insekten gezeigt.

Angrenzend finden sich ältere Greifvogel- und Eulenvolieren ohne großartige Besonderheiten und Teiche für Wassergeflügel.

Erwähnenswert ist schließlich sicherlich noch die größere Sammlung an Hausrindern, z.B. Zebus, Yaks oder imposante Ungarische Steppenrinder. Auch eine Gruppe Wisente, als Gegenstück zu den Nordamerikanischen Wildrindern aus dem Eingangsbereich, darf bewundert werden.

Erstellt am 7.4.2003


Anmerkung: Einige Mitglieder der Zoo-AG besuchten den Tierpark Stralsund 2001 privat. Unsere Eindrücke deckten sich großteils mit diesem Bericht.


© 2003 Fotos & Text: Marco Smeets - zur  Zoo-AG Homepage logoeule