Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Zoo am Meer Bremerhaven

25. Juni 2000

Zuletzt waren wir 1997 für unsere Recherche zu unserer Zoo-CD-ROM in Bremerhaven; damals führte uns Dr. Wandrey selbst, und wir verließen den Zoo in der Gewißheit, ihn das letzte Mal in dieser Gestalt gesehen zu haben. Das war verfrüht: Die Querelen um den “Ocean Park”, mit dem Bremerhaven mit einem viele Hundert Millionen DM teuren Aushängeschild beglückt werden sollte, hatten die Planung erneut zurückgeworfen.

Bremerhaven Mähnenrobbenbecken

Unsere sehr geschrumpfte Gruppe, ergänzt durch Tierarzt Dr. Steiner aus dem nahen Beverstedt, wurde von Zooinspektor Schlepps begrüßt und in einer Schnelltour durch das ja sehr übersichtliche Gelände geführt. Baulich ist nicht viel Neues zu berichten, doch der Tierbestand hat sich deutlich verändert. In Anbetracht des baldigen Umbaus wurden bereits viele Tiere, vor allem Exoten, abgegeben; die verbleibenden Tiere bezogen teils die freigewordenen Gehege. So finden sich gleich am Eingang Schnee-Eulen, und die Luchse nebenan können nun auch den kleinen Neben-Innenkäfig nutzen.

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Mähnenrobben-Anlage: Vor 10 Jahren renoviert, doch noch immer klein

Eisbären: Der Versuch, Spielgeräte einzubringen, scheiterte an zu niedrigen Mauern: Die Tiere nutzten Hölzer und Fässer als Kletterhilfe

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So endete auch fast jeder zweite Satz von Herrn Schlepps “...die kommen auch weg...”. Bis auf einige Pflegefälle und einen letzten Polarfuchs ist das Nordlandhaus verwaist.
Eine neue Beschilderung lohnt natürlich vor dem Umbau nicht; um so lobenswerter die ausführlichen Sonder-Schilder wie diese: Der Mähnenrobbenbulle ”der Dicke” starb Ende 1999 im Alter von 26 Jahren als ältester Bulle seiner Art. Mit dem erst dieses Jahr geborenen ”Shanti” trug er auch jetzt noch zum Erfolg der Mähnenrobbenhaltung bei. “Jean-Paul”, der Zuchtbulle der Zwergseebären, wurde weggesperrt, um Nachwuchs zu verhindern, er wurde aber durch den frühreifen Jungbullen ”Kasimir” würdig vertreten: Die Jungtiere ”Herr Ribbeck” und ”Expobär” sind im Mai geboren

Einst vorne Seehunde, hinten Braunbären(!): Die Zwergseebären haben eine verhältnismäßig gute Anlage

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Bremerhaven Eisbärenanlage
Bremerhaven Seebäranlage
Bremerhaven Pumakäfig

Nur noch Humboldtpinguine leben im Pinguingehege. Auch das hinter den Kulissen völlig marode Aquarium, in dem eine Arbeit kaum noch zu verantworten ist, hätte schon geschlossen sein sollen, aber jetzt bleibt es noch bis zum endgültigen Abriß wegen seiner großen Beliebtheit bestehen.

Der Zoo wurde Anfang des Jahres in Privatrecht überführt, die Belegschaft hat ein Jahr Bedenkzeit, zurück zur Stadt zu gehen (in die Behörden oder zum  Gartenamt - nicht zu einem Zoo!). Trotz vieler Anfragen aus anderen Zoos können sich nur wenige entschließen, die Stadt zu verlassen.

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Puma-Käfig: Hier zeigt sich besonders deutlich, wie im letzten Jahrzehnt durch Umbesetzungen und kleine Maßnahmen unter den gegebenen Umständen die Tierhaltung verbessert wurde: Einst mit Zebras besetzt, wurde hier noch in den 80ern ein Tigerkäfig gebaut, in dem nun die Pumas ein reich strukturiertes Zuhause fanden

Die neue Hochwasserwand erweiterte das Zoogelände um ein paar 1000 qm; hier wurde provisorisch ein Streichelgehege eingerichtet. Dennoch bleibt der Zoo auch nach dem Umbau unter 1 ha und damit mit Abstand der kleinste Zoo Deutschlands.

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Bremerhaven Erweiterungsgelände
Bremerhaven Schimpansenkäfig
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Schimpansenkäfig: Trotz geplanter Neuanlage bemühte man sich noch 1995 um einen Außenkäfig für die von der Politik gewollten Tiere.

Herr Schlepps lud uns zu einem langen Gespräch in die Verwaltung ein, wo wir auch einen kurzen Blick auf die aktuellen Planungen werfen konnten. Soviel sei gesagt: Es kommt weder das 1991 verkündete “Oequarium”, der 1993 erwartete “Evolutionszoo”, der riesige “OceanPark” mit dem Zoo als Blinddarm-Anhängsel (wie befürchtet), noch der mehrfach abgespeckte Entwurf des Zoos selbst (wie auf unserer CD-ROM ausführlich nachzulesen). Eventuell wird ein Großaquarium (Arbeitstitel ”Der Blaue Planet”) gebaut, für das man einen Privat-Investor sucht; und der OceanPark wird abgespeckt als Stadtentwicklungsprojekt entstehen (Plan im PDF-Format findet sich hier).

Eine erneute Ausschreibung gewann nun das Architekturbüro, das auch den Zoo Hannover komplett umgestaltet hat. Womit schon einmal klar ist, daß der neue Zoo am Meer hauptsächlich aus einer Unmenge künstlicher Felsen bestehen wird. Auf 2 bis 3 Etagen, von der obersten mit “freiem Blick zum Meer”, wird der Besucher also wieder wie einst durch “Tiergrotten” wandern, komplett mit künstlichem Eis-Wasserfall bei den Eisbären. Ein Aquarium wird es hier nicht mehr geben. Bedenklich: Die Kosten sind fix; was teurer wird, muß an den Gehegen wieder eingespart werden, und: Zeit und Geld für ein Modell fehlten, so daß die Tiergärtner mit kryptischen Plänen versuchen müssen, Fehler zu verhindern.

Sollte denn nun wirklich der Umbau beginnen (und das muß er mit dem Abriß des Bereichs vom Tropenhaus bis zum Pumakäfig diesen Herbst, sollen die Mittel nicht gestrichen werden), werden wir schon bald wiederkommen, um die Bauphase zu dokumentieren.

Niemand behauptet, die Tierhaltung im Zoo am Meer sei auf dem neuesten Stand - auch die Zooleitung nicht, die seit über einem Jahrzehnt drängt, den Umbau endlich zu beginnen. Die  Schuld an der Misere, den maroden Anlagen und nicht mehr aktuellen Gehegen ist außerhalb der Zoomauern zu suchen! Im Gegenteil, trotz der ungewissen Zukunft wurde im Zoo am Meer noch versucht, mit den geringen Mitteln das Beste für die Tiere zu erreichen.

Bremerhaven Masterplan 1999 © Website des Zoo am Meer / Stadt Bremerhaven

Schon nicht mehr aktuell, aber von der Gestaltungs-Idee her noch richtig: Planung von 1999 (© Stadt Bremerhaven)

Der Zoo am Meer hat nun auch eine eigene CD-ROM von einer lokalen Multimedia-Firma erstellen lassen. Die ist natürlich sofort unserem Archiv einverleibt worden. Aber welche Enttäuschung: viel ist nicht drauf, spannend allenfalls die Geschichte des Zoos mit einigen “neuen” alten Bildern, ansonsten recht dilettantische Spiele ohne Bezug zum Zoo, der “Rundgang” ist ein Plan des Parks, und das “Tierlexikon” der abgeschriebene Zooführer.  So bitte nicht, auch nicht für 10 DM! - solche Produkte vermiesen Multimedia. Auf unserer eigenen CD-ROM ist mehr über den Zoo zu erfahren, und über 420 weitere Parks auch noch!

Wir bedanken uns bei Herrn Schlepps für die nette Führung und das lange Gespräch!


Mitglieder der Zoo-AG besuchten auf An- und Rückreise: Tierpark Rethem, Wildpark Lauenbrück, Gehege im Kurpark Cuxhaven, Gehege im Bürgerpark Bremen.

Nachtrag 2002: Der Zoo am Meer wird seit Herbst 2000 tatsächlich völlig umgebaut und soll im Frühjahr 2004 komplett neu eröffnet werden. Wir haben die Großbaustelle im Jahr 2002 besucht - hier ist der Bericht.
Nachtrag 2004: Wir waren natürlich auch nach der
Neu-Eröffnung wieder da!

© 2000 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 8. Juli 2000 - zur Zoo-AG Homepage logoeule