Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursionsbericht Dierenpark Rhenen

9. Mai 2000, 2-Tages-Exkursion Niederlande

Nachdem wir den ersten Tag in Apeldoorn und Harderwijk verbracht und auf einem Campingplatz übernachtet hatten, besuchten wir Ouwehands Dierenpark in Rhenen. Obwohl wir uns nicht angemeldet hatten, erhielten wir dennoch kostenlosen Zugang - Danke!

Bärenwald-Steg

Unser Hauptinteresse war der “Berenbos”, eines der ersten, großzügigen Auffang-Gehege für Bären aus schlechter Haltung (vor allem, weil in Bielefeld gerade ebenfalls eine hochgepriesene Bärenanlage gebaut wird, mit der wir nicht ganz zufrieden sind...) . Eingerichtet von einer Stiftung, fand diese Institution in Rhenen einen passenden Ort für das Gehege.
Am Eingang zum “Bärenwald” steht eine Spendentafel, auf der die Paten jedes einzelnen Quadratmeters verzeichnet sind. Nachdem man einen Irrgarten aus Holzwänden mit Bären-Fragen und einen primitiv wirkenden “Tunnel” durchquert hat, gelangt man auf einem Stegweg über, und später in einen Gittergang durch das Gehege.  Gemeinsam mit einem Wolfsrudel leben die Bären in einem Waldgelände mit Teichen, künstlichen Höhlen und erkletterbaren Bäumen. Alle Bären sind auf “Bärenpässen” vorgestellt (auch auf Deutsch), wobei deutliche Worte wie “Wegwerfbären” und “nur gezüchtet, um Besucher anzulocken” gefunden werden, um die Praktiken einiger Zirkusse und Zoos zu beschreiben: Vier Tiere aus deutschen Tierparks, zwei aus dem Russischen Staatszirkus, zwei Zigeunerbären aus Jugoslawien, zwei Tanzbären aus Istambul und der einst auch nicht gerade berauschend gehaltene Bär aus Rhenen selbst. Die Folgen, wie Verstümmelungen, Erblindung und auch deutliche Stereotypien, sind den Tieren anzusehen.

Bärenwald-Gittertunnel

Die alte Wolfsanlage ist nun gut für Otter gestaltet, die Bärengrotten wurden zusammengefaßt und bieten jetzt mehr, aber immer noch ungenügend Platz für die Eisbären. Abhilfe ist in Sicht: Ein “eisbär-würdiges Gehege durch Inspiration des Lebensgebietes dieser majestätischen Tiere” ist in Bau - soviel zu erkennen eine wirklich großzügige Anlage mit Unterwasserscheiben, angeblich bis zum Juli fertig, aber noch sind Betonarbeiten im Gang.
Der Tierpark, der kürzlich verkauft wurde, hatte in den 80er und frühen 90er Jahren den Anschluß an die sich rasch wandelnde niederländische Zoo-Welt verloren. Nun versucht man, durch solche aufwendigen Bauprojekte ein eigenes Profil zu entwickeln und neue Attraktionen zu zeigen.

Tunnel durch Tigeranlage

Gleich zu Beginn des Rundganges schlängelt sich der nun erhöhte Besucherweg zwischen der in Umbau befindlichen Afrika-Savanne und der ebenfalls völlig neu gestalteten Tigeranlage hindurch. Die Tiger sieht man am Ende des Rundganges aus einer ganz anderen Perspektive wieder, wenn man durch einen vergitterten Gang heraus die Tiere im Wasserbecken betrachten kann. Hinter dem Wasserfall findet sich eine Ausstellung über die Bedrohung der Tiger mit Filmen, Tafeln und vielen Infos zum Mitnehmen.
Information wird nun auch sonst im Park großgeschrieben: Es gibt viele große, informative Tafeln, so bei den Kiangs mit Knöpfen, die zum Vergleich Esel-, Pferde- und Halbesel-Wiehern ertönen lassen.
Kaum noch vorstellbar: Die heutige Nutria-Anlage war einst das Elefantengehege! Heute sieht man die großen Nager im Nest der ebenfalls hier wohnenden Störche liegen... Neu ist auch das Rentiergehege mit anschließender Lappen-Ausstellung, die aber nicht fertig geworden zu sein scheint: an die Wand geklebte Info-Blätter, sehr dürftige Ausstellung, und als Krönung lächerliche Schlittenhunde aus Pappmache! Weniger toll ist auch die fade, sehr langatmige Seelöwenshow im früheren Delphinarium: umständliche Freiwilligensuche, ohne daß außer ein paar Sprüngen etwas passiert. In Teil 2 des “Wasserlandes” führt ein blau vergitterter Tunnelgang zu einer Biberanlage. Teil 1, das zur Seehundanlage umgebaute ehemalige Schwimmbad, wirkt sehr nüchtern; die Co-Haltung von Seevögeln ist gescheitert: von den Robben gefressen.

Tafel mit Wiehern von Eseln, Pferden und Halbeseln

 Das einst nach hannoveraner Vorbild erbaute Menschenaffenhaus ist zwar innen fast unverändert (die Schimpansen zogen im letzten Jahr nach Hodenhagen um). Aber außen gibt es für die verbliebenen Orang-Utans etwas ganz Neues: “Affen auf Stelzen”: Die Anlage wurde durch riesige Holzpfosten erweitert, die eine wilde Seilkonstruktion tragen.

Wirkt etwas wie ein Wald aus hölzernen Hochspannungsmasten und ist deutlich vom Washingtoner “Think Tank” inspiriert. Hier können sich die Tiere über den Köpfen der Besucher und rund um die neue Beobachtungsplattform herum bewegen; Elektrodraht hindert sie am Abstieg. Leider hat in den wenigen Wochen seit Eröffnung bisher nur ein halbwüchsiges Tier einen solchen Ausflug unternommen; die Tiere werden dabei wissenschaftlich beobachtet.
Der Zoo Rhenen geht bei seiner Aufholjagd reichlich unkonventionelle Wege. Sehen wir mal, wohin sie führen.

Weiter ging es zum eigentlichen Ziel des Tages: Der “Stadt des Altertums” im Zoo Amersfoort

www.ouwehands.nl

© 2000 Fotos & Text: Dirk Petzold


Erstellt am 11. Juni 2000 - zur  Zoo-AG Homepage logoeule