Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursion nach Thüringen

12.-14. März 1999, 39. Exkursion zum Besuch der ZooKunft-Tagung in Erfurt: Tierpark Gotha, Kleintieranlage Kelbra, Kleintierzoo Rottleberode, Bärenschutzpark Worbis

Auch diesmal ließen wir es uns nicht nehmen, auf der An- und Abreise zur ZooKunft einige Tierparks zu besichtigen.

Den Auftakt machte der Tierpark in Gotha, wo uns Herr Walter freundlicherweise kostenlosen Eintritt gewährte. Selbst für diejenigen unter uns, die den Tierpark in den letzten Jahren besucht hatten, gab es viele neue Gehege. So wurde die Biberanlage unter einer Brücke hindurch erweitert in einen Teil des Entensees und mit einem kleinen Unterwasserfenster versehen. Mit Sandstein verkleidete, gut strukturierte, zusammengefaßte, aber dennoch klassische Käfige werden nun von den China-Leoparden bewohnt. Auch die Wölfe haben ein neues Gehege erhalten, daß gerade noch eine weitere Vergrößerung erfährt. Viele kleine, alte Käfige sind verschwunden, andere recht Gotha-Bärenzwinger-3-99kreativ umgebaut worden: Der Korsak-Käfig beispielsweise bekam eine neue, weit nach hinten versetzte Rückwand aus geschichteten Sandsteinplatten, wobei vorragende Platten auch als Liegeflächen dienen. Die großen Greifenvolieren wurden um knapp die Hälfte erweitert. Aber es gab auch Fragezeichen: Was machen zahlreiche Möwen mit einem Storch in einem winzigen, verglasten Haus? Warum ist die panzer-verglaste Bärenanlage kaum größer geworden als ein Standard-DDR-Zwinger? Im Terrarium finden sich mittlerweile eine große Sammlung an Schildkröten, aber auch zahlreiche (leider oft nicht beschriftete) Echsen. Das neue Kleinsäuger-Vogelhaus bietet Sittichen, Nagetieren und Flughunden verglaste, raumhohe Anlagen. Die Rund-Freianlage beherbergt nun die ungewöhnliche Kombination Waschbär/Iltisfrettchen, die nun auch durch Plexiglas-Bereiche zu beobachten ist. Daneben entstanden einfache Freianlagen für Murmeltier und Stachelschwein.

Fazit: Mittlerweile sind fast alle alten Anlagen zumindest renoviert, wenn nicht durch neue Gehege ersetzt worden. Zwar wird keine besondere Spezialisierung angestrebt, doch die Häuser und einige ungewöhnliche Tierarten heben den Park aus der Reihe "gewöhnlicher" Tierparks heraus.

Kleintieranlage Kelbra:

Hier entsteht als ABM-Maßnahme ein Kleintierzoo im Freizeitbereich an der Talsperre. Noch ist hier aber nicht viel zu sehen; zwischen Müllgrube und Garagen gibts vorerst nur Ziegen, Enten, Kaninchen und ein paar Volierenvögel zu sehen. Das lobenswerte Projekt droht am versteckten und unglücklich gewählten Standort zu scheitern.

Streichelzoo Rottleberode:

Auf dem Gelände eines ehemaligen LPG-Hofes wurde in ABM-Maßnahmen ein kleiner Streichelzoo aufgebaut. Auf dem Freigelände finden sich Ententeich, Ziegen- und Schafgehege, Meerschweinchenanlage, aber auch große Tiere wie Pferde (Fjordpferde?). Dazu recht einfallsreiche Spielgeräte, so ein windschiefes Kletter-Baumhaus, das eine gemeinsame Arbeit von Dali und Hundertwasser sein könnte.

Im Stallgebäude gibt es eine Anzahl gut eingerichteter Kleinnagervitrinen, die auch ungewöhnliche Arten wie Buschschwanz-Rennmäuse gewohnen. Leider meist ungeschriftet - schlafende Fellknäuel ohne Hinweis. Eine Reihe über Röhren verbundene Kaninchenboxen bietet Frettchen eine Heimstatt, sogar mit kleinem Wasserbecken.

Die große Überraschung ist eine riesige ehemalige Beton-Betriebshalle, nun liebevoll mit Fachwerk bemalt. Im Inneren entsteht ein Exotarium, wiederum hauptsächlich für Kleinsäuger. Schöne, sehr große und detailreich gestaltete Anlagen existieren bereits für Ratten (in Dachboden-Kulisse), Mäuse und Meerschweinchen (in Indiohütte). Eine offene Anlage beherbergt bereits Rennmäuse, eine Felskulisse soll bald von der großen Viscacha-Kolonie bewohnt werden (wir konnten 16 Tiere in den Nebengehegen zählen!). Leider ist der Bau der zahlreichen weiteren Gehege im letzten Jahr nicht vorwärts gekommen; auch der künftige Terrarienbereich ist noch im Rohbau. Die ABM-Kräfte konnten uns leider kaum brauchbare Auskünfte geben. Wir hoffen, daß die sehr vielversprechende Arbeit fortgesetzt werden kann und vor allem die Idee einer großzügigen Kleinsäuger-Präsentation weiter umgesetzt wird. Bei freiem Eintritt  (Spenden erwünscht!) bietet Rottleberode eine schon jetzt einzigartige Tierhaltung.

Alternativer Bärenschutzpark Worbis:

Worbis-Bärenanlage1-3-99Im letzten Jahr entstand der zweite Teil des Bärenparks: eine weitere große Bärenanlage im Bereichs des Windbruchs von 1997. Sie ist zur Zeit mit der bisherigen Anlage verbunden, insgesamt leben nun fünf Bären hier (auch der Bär, der nur wenige Kilometer weiter in Artern im Zwinger saß). Gleich daneben wurde für die Wölfe, die bislang im Auffanggehege im hessischen Weilburg lebten, eine 500-qm-Anlage erbaut. Die Wölfe können aber auch in die Bärenanlage wechseln, was zu Interaktionen vor allem um Futter und zu vielen interessanten Beobachtungen führt.

Der alte Bärenzwinger , als "Mahnmal" und Info-Bereich erhalten, wurde überdacht und mit Schaukelpferden ausgestattet. Unterhalb ist ein Buchsbaum-Ziergarten angelegt worden. Im ehemaligen Affenkäfig steht das Modell eines chinesischen Schwarzbären, der zur Gewinnung von Gallenflüssigkeit gehalten wird.

Worbis-Zwinger-3-99Überall im Park sind jetzt ausführliche Informationstafeln über Bären aufgestellt, aber auch über andere Tier- und Artenschutzthemen. Das reicht von den Lebensgeschichten der aufgenommenen Tiere bis zu Ergebnissen der Untersuchungen zur Gehegenutzung. Auch schlechte Bärenhaltungen in Zoos Europas werden vorgestellt. Neu ist eine nachgebaute Bärenhöhle (ohne Bär...). Die Schilder der übrigen Gehege sind allerdings extrem textlastig und klein geschrieben; bei abgeschlossenem Streichelzoo z.B. kann man auf 2 m Distanz nicht einmal die Artbezeichnung lesen.

Die Damhirsche, die noch einen neuen Zaun erhalten haben, sollen abgegeben werden. Abgesehen davon, daß sich schwerlich ein Abnehmer finden wird: Was ist dagegen einzuwenden, die Tiere zu schlachten (wie es mit Tausenden Damhirschen auf Zuchtfarmen geschieht), und so artgemäßes Futter für die Wölfe und Bären bereitzustellen? Die Hirsche stammen wenigstens aus guter Haltung und nicht wie anderes Futter aus Massentierhaltung - auch ein Aspekt, den sich Tierschützer, die einen Tierpark betreiben, überlegen sollten.

Noch drei weitere Großgehege für Bären sind geplant, dazu eine Anzahl Gehege für heimische Beutegreifer. Mehr dazu auf den Internetseiten des Tierhilfswerks / Bärenpark Worbis.

Teilnehmer: Sven Schulze, Antje Fischer, Michael Schleef, Dirk Petzold, Martina Raffel.

© Fotos & Text: Dirk Petzold


Diese Seite wurde erstellt am 30.3.1999 - Zoo-AG Homepage logoeule