Zoo-AG

Anmerkungen

zookunft-logozookunft-logoZooKunft 1999

13. + 14. März 1999

Die fünfte ZooKunft, wiederum von Quantum e.V. organisiert, fand auf Wunsch des Gastgebers Zoopark Erfurt (40jähriges Bestehen) deutlich später im Jahr statt als üblich. Die Zoo-AG stellte mit sechs Teilnehmern nicht nur eine der größten "Abordnungen", sondern beteiligte sich mit der von Christof Würth erfundenen und durchgeführten Infobörse erstmals auch an der Organisation. Wir stellten uns auf der Infobörse mit einem Poster über unsere Aktivitäten vor; unsere CD-ROM war am Stand des Schüling-Verlages zu erwerben.

Tagungsbeiträge:

Das Tagungsprogramm der ZooKunft kann bei Quantum e.V.nachgelesen werden, die Zusammenfassungen der Vorträge gibt's früher oder später auch in gedruckter Form. Wir möchten daher nur einen Kurzbericht mit den aus Zoo-AG-Sicht interessantesten Aspekten geben; vor allem jene, die in den gedruckten Beiträgen fehlen. Leider war die Tagung sehr von der aktuellen Diskussion um den Import junger Elefanten für die Zoos Erfurt, Dresden und Basel dominiert; im Vorfeld hatten kritische Bemerkungen von Seiten von Quantum e.V. sogar zur Absage einiger dünnhäutiger Zoovertreter geführt.

Richard Perron richtete diesmal nur eine kurze Begrüßung an die Teilnehmer und übergab an den Direktor des Zoopark Erfurt:

Dr. Neuschulz, Zoo Erfurt, forderte eine neue Form der Zoo-Revolution: Das Verhalten der Tiere zu zeigen. Die Tiere sollen "Leistung" zeigen, sich bewegen. [Eine Präsentation von Tieren, bei der der Besucher nicht nur etwas über Aussehen des Tieres und seinen Lebensraum, sondern auch über dessen Verhalten erfährt, wünsche ich mir schon lange - hoffentlich mißversteht das niemand als "Zirkus im Zoo"!]. Neuschulz fordert auch das Ende der Sammelleidenschaft von raren Exoten. [Vermutlich aufgrund eigener Erfahrungen mit "Altlasten" bei seiner Amtsübernahme - ich befürworte das Ende jeder reinen, wahllosen Tiersammlung, aber möchte dies nicht als Aufruf verstanden wissen, weniger bedrohte Tiere (eben "rare Exoten") in den Bestand aufzunehmen - von Zuchtprogrammen im Sinne des Artenschutzes kann ein Zoo gar nicht genug haben!]

Als Tagungspräsident konnte diesmal Prof. Rieder vom BNA gewonnen werden: Er lobt, daß in ostdeutschen Zoos mittlerweile nicht nur mehr Geld, sondern auch viel mehr Bereitschaft (insb. Zoofördervereine) zu finden seien. Er selbst habe zusammen mit Fr. Heuss zwei Jahre lang nach neuen Wegen gesucht und hält mittlerweile die Zusammenarbeit mit Bonn für vorrangig:

Fr. Elser, SPD, MdB: Arterhalt in Zoos sei nicht nachhaltig, weil kein Vollschutz gewährleistet ist. Vielmehr müsse die genetische Vielfalt, die natürliche Häufigkeit und der Lebensraum geschützt werden. Heute seien in Deutschland 5% Naturschutzgebiete geplant, langfristig 10% - Italien habe schon heute 15%. Noch fehle die Anpassung deutschen Rechts an die Artenschutzverordnung und die Flora-Fauna-Konvention; Ermahnungen der EU an Deutschland führen jetzt zur Novellierung des Naturschutzgesetzes. Sie beschwert sich, daß in Zoos "kleine, häßliche Tiere" weniger Enthusiasmus erhalten als große Tiere. Dann kam die unvermeidliche Stellungnahme zum Thema "Elefanten": Es seien geschützte Tiere, keine Handlungsware, das WA gelte für alle! Probleme mit Elefantenpopulationen müsse man vor Ort lösen, Export sei keine Alternative und habe nichts mit Tierschutz zu tun. In Zoos müsse Nachtzucht Vorrang vor Wildentnahmen haben, diese müssen absolute Ausnahme bleiben. Wer beim "Umerziehungslager" in Südafrika von Tierschutz rede, sei von Fachkenntnis nicht berührt; Trittin habe mit dem Einfuhrverbot nur versucht, geltendes Recht durchzusetzen. Eine Anfrage für den Bundestag werde vorbereitet: Wie kann artgerechte Haltung gesichert werden? Wie sieht es mit Nachzucht aus? Wieweit kann auf Wildentnahmen verzichtet werden? Diskussion dazu: Werden die Gremien jetzt durch Tierrechtler beraten und stimmt der Eindruck, daß auf Beratung durch Naturschutzverbände verzichtet werden? -> Nein, beim neuen Naturschutzgesetz sei man darauf angewiesen. Hinweis Pechlaner: EU orientiert sich bei Tierhaltungsempfehlungen an EAZA-Richtlinien; Artenschutz sei in Grenzbereichen auch in menschl. Obhut möglich - gerade habe der WWF die Rettung der Arab. Oryx geehrt.

Christof Würth, Bielefeld (Mitglied der Zoo-AG) stellte kurz die Ziele der Info-Börse vor und bat um Rückmeldungen darüber, in welcher Form eine solche Börse am geeignetsten sei - als Hilfe, die nächste Börse auf dem Tiergarten-Workshop in Erlangen zu gestalten. Anregung von Fr. Münchau, Tierpark Siegelbach: Aufbau eines Spezialisten-Verzeichnisses über Haltung, Gehegebau, Tiermedizin usw., das für alle zugänglich ist. -> Am ehesten im Internet zu realisieren, nur: wer organisiert und bezahlt es? Dazu wurde auch der Aufbau eines Lehrstuhls für Zoo-Architektur gefordert (gibt es sonst nur in Philadelphia).

Dr. Pechlaner, Tiergarten Schönbrunn, Wien: Wie gewohnt, gab es wieder viele Dias über die rasante Umgestaltung des Zoos. Neu: Die Bergwiederkäuer-Anlagen werden für Seraus und Brillenbären/Nasenbären nach Zürcher Vorbild umgebaut, dazu eine neue Pinguinanlage. Wichtig: Denkmalschutz umfaßt nicht nur die Struktur (d.h. die Bausubstanz), sondern auch die Funktion: Die historischen Menagerie-Gebäude nur zu erhalten, aber ohne begleitende Tierhaltung als Kontext, kann auch dem Denkmalschutz nicht gerecht werden.

Dr. Wünnemann, Tiergarten Heidelberg: Der frischgebackene Direktor stellte den Zoo und sein neues Konzept der Umgestaltung vor: Evolution statt Revolution; auf Basis der fünf Themenkreise: Naturtourismus, Leben vor der Haustür, Wasser, Stammbaum des Menschen und Tierhaltung. Der Zoo soll nicht radikal überbaut werden, sondern die lokaltypische Individualität des Zoos müsse erhalten bleiben. Ein neues Elefantenhaus wird in die Fasanerie eingegliedert (zu viele Volieren hintereinander langweilen). Im hintersten, am schlechtesten zugänglichen Parkteil wird z.B. mit Hilfe des BUND naturnahe Gestaltung mit Trockenmauern usw. angestrebt. Im "Wasser"-Teil soll ein Ententeich durch Glas "von unten" zu besichtigen sein. Großes Glück habe man, weil überall da noch Platz im kleinen Zoo sei, wo er benötigt werde, so am Menschenaffenhaus (Umbaupläne konkret) - zur Zeit sei die Botschaft "faszinierende Tiere" nicht zu vermitteln. Zur Vermeidung eines weiteren "Fachwerk-Bauernhofes" wird der Haustierbereich mediterran gestaltet; in der alten Bärengrube soll die Geschichte der Zootierhaltung vermittelt werden. Das Affenhaus wird unter dem mutigen Thema "Tiere in der Forschung" stehen: Affen-Verhalten und Terrarien mit Gifttieren für Medizin. Jedermann müsse mitbekommen, was der Zoo z.B. im Bereich Artenschutz tue. Dazu dienen auch die neuen "Info-Ranger", wie sich die Volontäre nennen. Das Konzept sei auf 20 Jahre Umsetzungszeit ausgelegt.

Erik van Vliet, unser Freund, der Zoodesigner, der z.Zt. den Tierpark Amersfoort umgestaltet, konnte aus familiären Gründen leider nicht kommen.

Walter Neumann stellte den vor einem Jahr eröffneten Vogelpark Plantaria in Kevelaer vor. Ich persönlich war von den gebotenen Fakten und Dias enttäuscht: Da gab es große Glasdome zu sehen, doch darin seien nur Restaurant, Blumenschauen und Ausstellung; die Tropenhallen wirkten im Dia vergleichsweise klein. Die Anlagen und Gebäude waren extrem geometrisch und wenig natürlich gestaltet; dominierend sind streng bepflanzte, sehr künstlich wirkende Rabatten; lange Reihen einförmiger Volieren waren zu sehen. Die betretbare Australienvoliere mußte geschlossen werden, da zahme Kakadus den Besuchern z.B. Ohrringe abrissen. Der Park halte nur Papageien und Hühnervögel - und gleich das nächste Dia zeigte einen Kranich. Mein Eindruck: Park im Stil einer 70er-Jahre-Gartenschau mit Reihenvolieren; absolut nicht innovativ. Es ist toll, 14 Ara-Arten zu zeigen (wie war das mit der Artensammlung?) - aber kein Wort wurde zum Thema Artenschutz und Erhaltungszucht verloren. Ziel des Parks, laut Vortrag: Blumen zeigen und 800 Vögel ausstellen - ist das nicht etwas wenig? Aber ich möchte nicht zu voreilig sein: Vor einem endgültigen Urteil sollte man sich den Park selbst ansehen.

H. Jörg Adler vom Allwetterzoo Münster stellte die Allianz für Artenschutz der ZGAP vor und warb um weitere Mitstreiter. Interessant ist, daß auch einige sehr kleine Parks wie Weißwasser und Ludwigsburg Mitglied sind, während manche große Zoos noch fehlen. Seine persönliche Vision sei es, dies als VdZ-Projekt zu führen. Das hat sich zumindest auf dieser Tagung nicht ergeben, aber in der Mittagspause hat sich spontan der GdZ komplett zur Mitarbeit entschlossen - ein schöner Erfolg. Mit persönlich hat als ZGAP-Mitglied ein Hinweis darauf gefehlt, daß das Projekt maßgeblich durch die ZGAP organisiert wird - vielleicht war es aber in diesem Rahmen politisch klüger, es mehr als ein Projekt der Zoos zu verkaufen denn als eines einer Artenschutzorganisation. Natürlich ließ es sich Jörg auch nicht nehmen, mal wieder die "allerletzten" Cuc-Phuong-McDonalds-Pins anzubieten, was zu Widerspruch von Fr. Münchau führte: Man sollte sich die Sponsoren genau überlegen, bei diesem habe sie Magenschmerzen. Das wiederum wurde von Prof. Rieder als Kritik an der Bekömmlichkeit der Burger mißverstanden und führte zu einer Rüge... Es ist eine Gratwanderung - soll man nachweislich nicht gerade umweltverträglich agierenden Unternehmen ein ökologisches Deckmäntelchen verkaufen? Jörg Adler ist da Extrem-Pragmatiker: Wenn es um die letzte Chance auf Rettung der "Pandalanguren" (eigentlich Delacour-Languren) geht, kann man sich nicht leisten, auf Gelder zu verzichten - außerdem stellen die zwei gelben Bögen auf dem Pin ja eigentlich typisch vietnamesische Sandsteinberge da... Und, das muß auch gesagt werden: Mit der Allianz für Artenschutz hat diese Diskussion (noch) nichts zu tun!

Dr. Martin, Hess. Landestierschutzbeauftragte: Es gibt dringenden Bedarf, Tiere zu beschlagnahmen und unterzubringen, sowohl aus Tier- wie Artenschutzgründen. Während sich die Situation bei Vögeln entspannt habe, sind die Problemfälle: Raubtiere, Affen, Menschenaffen, vor allem aus Zirkussen und mobilen Tierschauen (300 in Deutschland). Manche Zirkusse nutzen die Situation bereits aus, wenn sie alte Tiere in Behördenobhut abschieben, um in der nächsten Saison mit jungen Tieren weiterzumachen. Sie macht einigen Zoos den Vorwurf, sich nicht für einst verkaufte Tiere verantwortlich zu fühlen. Fr. Martin möchte eigentlich zentrale Auffangstationen ("Behördenzwinger") bauen, die aber nicht finanzierbar sind. Die Zoos ihrerseits haben bislang kaum Interesse an Zusammenarbeit gezeigt (eine Anfrage an alle dt. Zoos ergab nur viermal Interesse). Dabei könnten Unterbringungen auch in den Zoos sogar hoch mit Landesmitteln bezuschußt werden: Es gibt Geld zu verteilen! Auch das Bedenken, daß solche Tiere wieder abgegeben werden müßten, ist nicht immer gerechtfertigt: Beschlagnahmte Tiere könnten sogar unter gewissen Umständen vom Land verkauft werden. Sie schlägt vor, solche Stationen an die großen Zoos anzugliedern und damit einen pädagogischen Ansatz zu verfolgen - "ähnlich wie Streichelzoos". Sie meinte damit, daß die Zoos ja auch Gehege nur wegen des erzieherischen Werten besäßen, nicht nur wegen Zuchtprogrammen oder des Artenspektrums - doch wurde das in der folgendes Diskussion mißverstanden als Vergleich der Attraktivität.

Dr. Briese, Niedersächs. Landestierschutzbeauftragter, hieb weitgehend in die gleiche Kerbe und betonte, es sei vor allem mit der EU-Öffnung nach Osten mit steigenden Beschlagnahmungszahlen zu rechnen. Von Zoos fordert er bessere Aufklärungsarbeit zum Thema Wildtierhaltungsproblematik, aber auch ethische Leitlinien für Nachzuchten in Zoos [leider war kein Zoodirektor aus Bayern da, der die dort gerade entwickelten Leitlinien vorgestellt hätte - nachzulesen im "Manati" 1/99].

Die Diskussion zu beiden vorhergehenden Vorträgen zum Thema Unterbringung beschlagnahmter Tiere eröffnete Prof. Rieder mit der Frage, ob ein Zirkus-Zentralgister sinnvoll sei -> ein guter Ansatz, aber wegen Datenschutzproblemen nicht personenbezogen; müsse vom Bund eingerichtet werden. Fr. Bernhardt vom BUND Berlin fordert die Zoos auf, öffentliche Aufgaben wie Vollzug des Tierschutzgesetzes zu unterstützen, da sie viele öffentliche Mittel bekämen - moderne Zoos müßten Arten- und Tierschutzaufgaben übernehmen. Jörg Adler erwidert, Zoos seien meist Zuschußbetriebe, das Geld für zusätzliche Aufgaben müsse bereitgestellt werden. Im übrigen habe der Zoo Münster gerade eine Löwin aufgenommen. Fr. Münchau gab an, ebenfalls Tiere (z.B. Affen in Junggesellengruppen) aufzunehmen, fordert aber, nicht nur Tiere zu beschlagnahmen, sondern den Besitzern auch weitere Tierhaltung zu verbieten -> wird bei Zirkussen meist an andere Familienmitglieder übertragen. Dr. Zima erwähnte, daß in der Tschechei bereits zehn teilweise spezialisierte Auffangzentren gebaut worden seinen. Claus Reuther sprach das Findelkinder-Problem an: allein dem Otterzentrum Hankensbüttel würden jährlich rund 100 junge Steinmarder angeboten - während 70.000 Tiere jagdlich erlegt würden: Tod gehört zum Leben. Fr. Martin betonte, daß es klare Tötungsoptionen in hoffnungslosen Fällen gebe, abgesichert durch das neue Naturschutzgesetz. Zuletzt meldete sich Wolf Everts und beschwerte sich, daß der Zoo Osnabrück die beschlagnahmten Tiger der Stadt Osnabrück gar nicht bekomme, obwohl Platz vorhanden sei: die Schuld liegt nicht bei den Zoos allein. Fr. Martin entschuldigte sich daraufhin für die Ämter und durch Bürokratie verursachte Verprellung der Zoos.

Dr. Günther (Ziergeflügel- und Exotenzüchter) äußerte Sorgen über zunehmende Abdriftung der Wildtierhaltung in "Mutationen und stabile Rassen", z.B. in der Vogelhaltung, aber auch bei Aquarien. In Zusammenarbeit mit dem BNA habe der Verband sich zur Zucht reiner Rassen für die Arterhaltung verpflichtet. Zoos und Aquarien sollen Zuchtformen von Wildtieren nicht zeigen (z.B. Farbskalare).

Der Rest des Nachmittags wurde mit der Podiums-Diskussion zum Thema "Problemtier Elefant" gefüllt, mit den Teilnehmern: Jörg Adler, Norbert Neuschulz, Alexander Haufellner (European Elephant Group), Wolfgang Heymel (ProFauna/Tierhilfswerk), Dr. Goetschi. Die sehr lange und kontroverse Diskussion hier darzustellen ist unmöglich. Die ausführliche Darstellung des Elefanten-Imports aus Sicht der Zoos hat der Zoopark Erfurt im Internet veröffentlicht. Hier nur einige kurze Statements:

Neuschulz: Die Zoos haben den Fang nicht initiiert, sondern auf eine Anfrage der Afr. Zoo-Organisation nach dem Fang reagiert.

Adler: Nicht der Elefant ist das Problem, sondern der Mensch! (In Afrika und in Zoos). Er habe vor dem Import Bedenken geäußert, daß ein Image-Schaden für die Zoos entstehen könnte und mahnt verbindlichen Ton auch der Zoo-Leute an anstatt des undiplomatischen Verhaltens mancher Kollegen. Die Zoos stünden auf dem Boden des Gesetzes; das Importverbot sei vermutlich nicht auf das WA, sondern auf Druck durch Zoofeinde entstanden. Dennoch habe er Zweifel, ob der Import das Wert war - der Preis sei die Distanzierung mancher Naturschutz-Organisationen und Schaden in der Öffentlichkeit. Aber man müsse Kritik akzeptieren - zur Vermeidung weiterer Fehler. Im übrigen habe er schon vor einiger Zeit an einer Auffangstation für Zirkus- u.a. Elefanten mitgeplant (Elefanten Hilfe Europa) und Zoos dafür gesucht (Lockmittel: Attraktivität), aber das Projekt sei wegen der beteiligten Personen geplatzt.

Goetschi: War als Augenzeuge im Eingewöhnungscamp in Südafrika, hatte freien Zugang und zeigt Dias. Fazit: Keine Tierquälerei durch deutsche Tierpfleger, aber Fehler durch Indonesische Elefantenpfleger. Was ist eine ideale Elefantenhaltung? Nur einer Frage von Geld und Platz?

Haufellner: Goetschi sei zu spät in Südafrika gewesen (Wunden seien nachgewiesen); Händler Giazza habe die Fanggenehmigung unter falschen Angaben erschlichen und andere Tiere gefangen als geplant (30 Jungtiere statt 15 Bullen). Die Eingewöhnung sei dilettantisch gewesen: Die Jungtiere hätten sich ohnehin dem Menschen angeschlossen, eine Abrichtung war unnötig. Die Tiere hätten unter solchen Bedingungen nicht importiert werden dürfen, vor allem nicht, wenn die Elefanten-Anlagen noch nicht fertiggestellt waren [Seitenhieb auf Dresden; Dir. Lücker konnte selbst nicht zur ZooKunft kommen]. Die EEG habe bereits fundierte Kritik und Lösungsansätze geliefert (s. WWW-Seiten des BdZ); es gäbe eine deprimierende Bilanz aus 100 Jahren Elefantenhaltung. In der EU gäbe es dennoch erfreuliche neue Wege, die sich auch in 56 Jungtieren während der letzten Jahre in umorientierten Zoos widerspiegeln. Die traditionelle Zoohaltung, als ein Haustier mit vorheriger Willensbrechung zu Arbeit und Gehorsam, habe ein falsches Bild vom Elefanten als gutmütiger Riese geprägt. Dressur und Kommandos ersetzen nur fehlende Haltungseinrichtungen. Es gäbe nur wenige gute Elefantenleute, die Unfälle entstünden durch unqualifiziertes Personal und unzulängliche Haltung. Besonders Bullen benötigen viel Platz und Beschäftigung; die Pfleger müßten als Partner ohne Aggression auftreten.

Fazit der ZooKunft 1999:

Die ZooKunft 1997 war wieder äußerst erfolgreich, von den Vorträgen und Diskussionen bis zur Info-Börse , die uns viele persönliche Kontakte vermittelte. Quantum e.V. sei für die gute Organisation gedankt.

Schade, daß auch dieses Jahr keine Medienvertreter anwesend waren - weder von Zeitungen noch von elektronischen Medien -, obwohl gerade diesmal viele Themen behandelt wurden, die die Öffentlichkeit interessieren.

Bedenklich finde ich, wenn es Leute, die womöglich nicht einmal persönlich angegriffen wurden, vorziehen, sich schmollend zurückzuziehen, statt ihre Meinung offensiv vorzutragen und sachlich zu verteidigen. Gerade die Zoos waren lange genug in der Defensive - die ZooKunft bietet die Möglichkeit der Verständigung mit allen Seiten. Ich unterstelle allen Beteiligten primär idealistische Ziele in Natur-, Tier- und Artenschutz - nur der Weg dahin ist umstritten. Sachliche Differenzen kann man diskutieren - aber nicht, wenn man gar nicht erst kommt. In diesem Zusammenhang kann ich nur hoffen, daß nächstes Jahr wieder mehr Zookritiker, aber vor allem auch Vertreter gewisser großer Zoos dabei sind. Wir jedenfalls werden kommen - die ZooKunft 2000 in Münster wird ja fast vor der Haustür stattfinden!

Am zweiten Tagungstag fand eine Führung durch den Zoopark Erfurt statt; dann setzten wir auf der Heimfahrt unsere Tour durch Thüringen fort.

Teilnehmer: Sven Schulze, Antje Fischer, Michael Schleef, Dirk Petzold, Martina Raffel, Christof Würth

(Sollten sich in diesen Bericht unrichtige Angaben eingeschlichen haben - Bitte um Rückmeldung!)

(c) Dirk Petzold 99

Bericht von der Zookunft 2000


Erstellt am 31.3.1999 - Zoo-AG Homepage