Zoo-AG

Anmerkungen

Exkursions-Bericht

Wild-Freizeitpark Klotten
9. April 2005

Auf der Fahrt nach Trier zur Jahreshauptversammlung 2005 der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), in der sich einige Zoo-AG Mitglieder aktiv engagieren, besuchten wir am Freitag, den 9. April 2005 drei Tierparks: Klotten-Cochem, Daun und Trier. Am Sonntag besuchen wir dann vor der Rückfahrt den Zoo Merveilleux in Bettembourg, Luxemburg.

Erstes Ziel war der Wild- und Freizeitpark Klotten / Cochem. Der 1970 gegründete Park setzt mehr und mehr auf den Freizeitpark-Charakter, so wurde kürzlich eine Achterbahn für über 5 Mio Euro gebaut. Daneben gibt es eine Reihe wenig innovativer und althergebrachter Jahrmarktattraktionen wie Riesenrutschen, Trampoline oder Elektro- Pferdereitbahn.
Nach Aussagen des Parks werden 100-120 Tierarten gepflegt. Hinter dem neuen und modernen Eingangsgebäude befindet sich ein größerer Hof, um den sich Volierengebäude für verschiedene Papageien und Singvögel reihen. Die Volieren sind weitgehend tiergerecht, jedoch teilweise etwas dunkel und spärlich eingerichtet.
Auf diesem Hof wurde bereits ein Eindruck deutlich, der sich in großen Teilen des Parks bestätigen sollte: Saubere Wege, schöne Beete, aufwendige (und teure!) Bausubstanz.
Hinter den Volierenkomplexen erreicht man das erste ältere Gehege, welches mit zahlreichen Waschbären (gezählt haben wir 9, sicherlich haben wir aber nicht alle gesehen…) besetzt ist. Das Gehege ist von einer Mauer umgeben, welche ebenso rechteckig ist, wie die zurechtgeschnittene Gehegebepflanzung und das hässliche Stallhäuschen an der Rückwand. Dieses Schema (Rechteckgehege mit hässlichem grünen Haus hinten dran) taucht auch später wieder auf.
Hinter den Waschbären beginnt der eigentliche Wildpark-Teil. Auf sehr großen teilweise bewaldeten Flächen leben sehr viele Rot- und Damhirsche, Steinböcke, Mufflons, Mähnenspringer, Wapitis u. a. Das bemerkenswerteste an diesem Parkteil ist der unglaublich aufwendige Besucherweg. Es bedarf durch die Hanglage durchaus einer Befestigung des Weges, hier hat man jedoch mit viel Aufwand und noch mehr Geld Luxuswege gebaut.

Eingang
Volierenreihe
Waschbären
AchterbahnWeg im Wildpark

Viel Geld (nach eigenen Aussagen 0,75 Mio. Euro) hat man auch in die Erweiterung der Braunbärenanlage investiert. Leider ist die neue Anlage nahezu identisch zur alten Anlage: Massive Stahlgitter umgeben ein felsiges Areal am Steilhang, der wenigstens leicht terrasseirt wurde. Bei der Betrachtung der Tiere läuft der Besucher Gefahr, einen steifen Nacken zu bekommen. Um überhaupt etwas sehen zu können, wurde vor das Gehege eine Aussichtsplattform gebaut, auf der kleine Menschen und Kinder dennoch nicht viel mehr als massive Vergitterung sehen können. Die Tierpräsentation ist hier also völlig unzureichend. Es gibt sicher schlechtere Bärenanlagen als diese, für einen teuren Neubau ist sie aber sehr enttäuschend! Später auf dem Rundgang gelangt man übrigens auf eine Besucherterrasse oberhalb der Bärenanlagen, sodass der Besucher nicht nur ungünstig von unten auf die Tiere blicken kann, sondern auch nicht weniger ungünstig von oben. Traurig ist auch ein Automat mit Bärenfutter für 50 Cent – die Zeiten der Bettelbären sollten doch vorbei sein…

Auf dem unteren Weg beginnt hinter den Bärenanlagen der Teil des Rundgangs, der noch nicht ausgebaut wurde. Der ungepflasterte Weg und das oberhalb gelegene Damhirschgehege offenbaren hier die großen Erosionsprobleme, die die Hanglage mit sich bringt. Auch die Tierhaltung in diesem Parkteil ist sehr verbesserungswürdig. Hangabwärts befindet sich das kahle Holzgehege für eine räudige Rohrkatze, welche sich vor Besucherblicken kaum zurückziehen kann. Noch erschreckender wirkt die Luchsanlage. Links und rechts einer offenen Schutzhütte befinden sich zwei Gehege, von denen das eine völlig kahl, das andere lediglich mit einem einfachen Holzgerüst eingerichtet ist. Am ebenso einfachen, aber etwas größeren Wolfsgehege (für nur einen Wolf?) fällt wieder das grüne Stallgebäude auf, welches „einfach in der Landschaft herumsteht“, ohne dass man versucht hätte, es etwas attraktiver zu gestalten oder es wenigstens zu kaschieren.
Ohne vorgegebenen Besucherweg durchquert man nun das Damwildgehege, von wo aus auch die Bärenaussichtsterrasse, zwei Volieren sowie ein kleines Tierhaus mit noch kleineren und kahlen Außengehegen für Dachs und Nasenbären erreicht werden können.
Wenigstens die Trennung von Tier- und Freizeitparkbereich ist mit Ausnahme eines winzigen, eckigen Nutriabeckens mit dem üblichen hässlichen Stallhaus konsequent.

Fazit: Geldmangel kann es in diesem Park nicht geben, auch wenn dies von Angestellten beklagt wird. Die Investitionen in Achterbahn, Wegenetz, Empfangsgebäude, Bärenanlage, Gartenarchitektur & Bepflanzung dürften viele Millionen Euro umfassen. Die Aussage, dass der Park sich zu 80% auf den Freizeitparkbereich konzentrieren will entschuldigt nicht die teilweise sehr schlechte Tierhaltung, und dort, wo investiert wurde (Bären), drängt sich der Eindruck mangelnden Fachwissens auf. 
 

Weiter ging unsere Tour nach Daun

Erstellt am 14. 5. 2005

Zoo-Infos.de: Wildpark Klotten
Website des Parks

Anmerkung: Die Darstellungen und Meinungen im Bericht auf dieser Seite geben nicht zwingend die aller Zoo-AG-Mitglieder wieder.


© 2005 Text+ Fotos: Marco Smeets, zusätzliche Fotos: Dirk Petzold - zur  Zoo-AG Homepage logoeule